Benjamin Federmann, Gründer und CEO

Die Gründer DNA

30. Januar 2020|10 Minutes

Wie gründe ich ein Start-Up? Welche Eigenschaften muss ich mitbringen? Was macht den idealen Gründer aus? Für viele repräsentiert das Berufsbild „Gründer“ den Weg von der Universität direkt ins Silicon Valley und weiter zu Weltruhm und Reichtum. Doch nicht nur vor der Gründung kommen viele Fragen auf – das weiß auch Benjamin Federmann, Mit-Gründer und CEO von doks. innovation. Vor drei Jahren gegründet, arbeitet das Start-Up mit einigen der Global Player der Kontraktlogistik zusammen und wurde bereits mit rennomierten Preisen ausgezeichnet.  Er teilt hier seine Erfahrungen und hat wertvolle Tipps für Gründer:

 

Wolltest du schon immer ein eigenes Unternehmen gründen?

Während meiner Zeit als Angestellter bin ich bei der täglichen Arbeit recht häufig an die Grenzen der jeweiligen Organisationen gestoßen. Insofern gab es recht früh das ferne Ziel, die Energie in ein eigenes Projekt zu stecken, ohne dabei gezielt an ein konkretes Unternehmen zu denken. Ich bin sehr gern Gründer und stehe mit Überzeugung in der Verantwortung als Geschäftsführer, habe beides jedoch nie als Lebensziel definiert.

 

Was war die Hauptmotivation für den Schritt zur Gründung?

Offen gesprochen ist das Produkt, welches wir vermarkten, eher zweitrangig, wenn es um meine persönliche Motivation geht. Ich kann nur dann gut sein, wenn ich grundsätzlich hinter dem Konzept des Unternehmens stehen kann, ganz gleich ob Angestellter oder Geschäftsführer. Vor allem der Markt und die Entwicklung in der Logistik haben mich zu der Überzeugung gebracht, mit doks. einen Beitrag zu einer zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung leisten zu können.

 

Welche Gründer-Qualitäten hattest du schon und welche musstest du lernen?

Ich war gut darin, mich und andere zu organisieren und mit eigenem Antrieb die ersten Schritte zu gehen: Erarbeitung eines Geschäftsplans, Kundeninterviews, Marktrecherchen, Finanzplanung, Recruiting, Benchmarking. Als Angestellter ist das Thema „Netzwerke“ auch relevant, jedoch habe ich erst so richtig gelernt, wie Netzwerke aufgebaut und für alle Seiten gewinnbringend genutzt werden können, als ich mit doks. gestartet bin. Auch das Thema Investorenansprache musste ich lernen – wen spricht man an, wie spricht man potenzielle Geldgeber an, welche Forderungen werden gestellt, was ist „fair“ in diesem Zusammenhang? Dabei habe ich vor allem durch Fehler gelernt, einige davon haben Auswirkungen bis zum heutigen Tag.

 

Was hättest du während des Gründungsprozesses nicht erwartet? Hat dich etwas überrascht?

Die Gerissenheit und fehlende Fairness einiger der Personen, die unmittelbar mit unserer Gründung im Zusammenhang stehen, war für mich überraschend. Auch den zum Teil fehlenden Weitblick einiger Beteiligter hatte ich so nicht erwartet. Kommunikation ist die Basis für die solide Umsetzung einer Strategie, allerdings muss man jedes Mal neu ergründen, wie man dies wirklich ermöglichen kann.

 

Von welcher Charaktereigenschaft hast du während der Gründung am meisten profitiert?

Selbstmotivation und eine Gabe, mich selbst zu organisieren und die eigenen Bedürfnisse eher zweitrangig zu berücksichtigen, sind die Dinge, die mir am meisten helfen. Die „Daily Habits“ prägen meinen Alltag – Sport, Ernährung, die Zeit mit meiner Familie. Gleichzeitig sind andere soziale Beziehungen zum Teil nicht mehr aufrecht zu erhalten, weil die Zeit fehlt. Hier sollte die Überzeugung eine echte sein, damit man sich nicht täglich fragt, wofür man eigentlich die vielen Opfer bringt. Auch eine Diskussions- und Kritikbereitschaft muss auf allen Ebenen vorhanden sein, ganz gleich ob im privaten oder beruflichen Kontext.

 

Was muss, deiner Meinung nach, der ideale Gründer mitbringen, um langfristigen Erfolg zu haben?

Man sollte die folgenden Eigenschaften bündeln beziehungsweise mitbringen: immer ein wenig vor der Zeit leben, Forscher und Auditor sein, ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Ideen nur dann zu Produkten werden können, wenn man sie zu Papier bringt, ein Verständnis für das Entwickeln und kunden- und marktorientierte Optimieren von Prototypen haben, einen soliden Businessplan verfassen können, bewusst die Entscheidung fällen, Start-Up-Gründer sein zu wollen und ein Verständnis für das Thema Skalierung mitbringen. Zudem muss der Gründer eines Start-Ups in vielen Bereichen wie der Vorstand einer AG agieren.

Der Wert des Unternehmens wird nicht ausschließlich durch die Nachfrage des Kunden, die Umsätze oder das reine Wachstumspotenzial auf den Märkten bestimmt, sondern auch durch den Glauben der Märkte an das Start-Up, seine Produkte und Gründer sowie das mit allem verbundene Potenzial. Der Gründer eines Start-Ups muss also ein breites Verständnis für das solide Vermitteln seiner Strategie haben, immer einen Ausblick bieten können und Werte generieren.

 

Was ist der größte Fehler, den ein Gründer begehen kann?

Die Wahl der Teammitglieder ist essenziell. Hier kann man die meisten Fehler machen, die Zeit und Geld kosten. Auch fehlendes Verständnis für die Bedürfnisse der Anteilseigner ist ein häufiger Fehler. Das Gleiche gilt für das klassische „Verzetteln“ – den fehlenden Fokus auf Kunden und Produkte. Das geht häufig schnell und trotzdem schleichend und man sollte sich jeden Tag hinterfragen.

 

Was macht den Erfolg eines Unternehmens aus?

Hinter jeder Idee und jedem Produkt stecken Köpfe, die ihre Sache gut machen und überzeugend Geschichten erzählen können müssen. Gute Gründer sind „Macher“. Menschen, die sich für nichts zu schade sind und die nicht immer die „Warum?“-Frage bei anstehenden Aufgaben stellen. Ein guter Gründer steckt sich jeden Tag Ziele für alle Distanzen. Damit ist auch klar, dass ein guter Gründer Sprinter, Marathonläufer und Teil einer großen Staffel sein muss. Multifunktional und immer im Training. Dann werden auch die Produkte des Unternehmens gut, weil sich ein guter Gründer immer die Menschen in seine Staffel holen wird, die seine Schwächen ausmerzen und mehr als reine Ergänzungsspieler sind.

Fokus ist ein häufig strapazierter Begriff. Oft ist die Frage, was denn das persönliche „One Thing“ ist, auf das man sich fokussieren sollte und dem man alles andere unterordnet. Ganz sicher ist nicht der Weg das Ziel. Das Ziel sollte feststehen, ganz gleich ob „Moon Shot“ oder mittelständisch geprägtes Entwicklungsziel. Wichtig ist auch, frühzeitig zu verstehen, dass persönliches Disziplinieren Grenzen kennt. Durch Selbstdisziplin antrainierte Eigenschaften sollten rasch zu persönlichen Gewohnheiten werden, wenn diese Dinge wirklich relevant sind für den Erfolg. Sonst zerbricht man am eigenen Maßstab und fällt somit für das eigene Unternehmen aus.