Covid19 und Homeoffice

Covid19 und Homeoffice - Scrum im Härtetest

22. April 2020|10 Minutes

Mehr als 50% aller IT-Unternehmen setzt auf agiles Projektmanagement. Für fast 80% ist Scrum das Mittel der Wahl. Scrum, zu Deutsch „Gedränge“, verspricht bessere Entwicklungsergebnisse, bessere Kommunikation unter den Entwicklern und mehr Effizienz. Immer weitere Branchen adaptieren die Projektmanagementmethode, um ihre Entwicklung auf ein neues Niveau zu heben. Außerdem gilt die Methode als Motivations-Booster, denn sie gibt Entwicklern mehr Spielraum für eigenverantwortliches Arbeiten.

Was ist Scrum überhaupt?

Scrum umfasst ein, vergleichsweise simples, Regelwerk mit fest definierten Rollen und sich wiederholenden, engmaschigen Arbeitsschleifen. Im Scrum-Regelwerk finden sich drei Rollen: Der Scrum-Master hält den Prozess aufrecht. Er kümmert sich darum, das Regelwerk umzusetzen und ist gleichzeitig Ansprechpartner für das Entwickler-Team. Der Product Owner repräsentiert die Stakeholder. Er definiert, in Absprache mit dem Team, Features, die ein Produkt aufweisen muss, um für die Kunden von Nutzen zu sein. Man könnte sagen, dass er die Anwender repräsentiert. Die dritte Rolle umfasst das gesamte Entwickler-Team. Das setzt die vorher gemeinsam festgelegten Aufgaben um.

Der Scrum-Prozess besteht aus iterativen „Arbeitsschleifen“, Sprints genannt, die wenige Wochen dauern und feste Termine beinhalten. Im Sprintplanning werden die Ziele und Aufgaben eines Sprints im kompletten Team festgelegt. Täglich findet ein kurzes Meeting statt, der „Daily Scrum“, in denen sich die Beteiligten gegenseitig auf den neuesten Stand bringen. Am Ende jedes Sprints werden die Ergebnisse im Team vorgestellt (Review) und außerdem der gesamte Sprint hinsichtlich individueller Faktoren evaluiert (Retro). Das Ziel eines Sprints ist es, etwas „Fertiges“ zu schaffen. Jeder Sprint erzeugt also Wert.

Covid-19 und Homeoffice - Scrum im Härtetest

Scrum bei doks. innovation

Auch die doks.-Entwickler setzen die Scrum-Methode zur Projektplanung ein. „Der Vorteil ist ein relativ kleines Framework. Das schafft Flexibilität“, erklärt Julian Wyszynski, Produktmanager für inventAIRy und Product Owner. Der entscheidende Vorteil für doks. innovation: Verschiedene Teams und Setups und auch mehrere Projekte lassen sich mit Scrum unter einen Hut bringen. Somit eignet sich die Methode besonders für Unternehmen, die, wie doks. innovation, mehrere Produkte anbieten und entwickeln. „Wichtig ist, dass man einfach anfängt“, sagt Julian Wyszynski, „danach kann man den Prozess immer weiterentwickeln und das Team und die Situation anpassen“.

Ein weiterer Trumpf, den Scrum für die Entwicklungsarbeit bietet, ist die engmaschige Evaluation des Entwicklungsprozesses. „Im normalen Entwicklungsprozess kommt es oft zu kurz, Prozesse zu hinterfragen und auf ihre Effizienz zu überprüfen, bei Scrum macht man genau das und zwar regelmäßig. Man hat die Möglichkeit konkret zu besprechen was gut lief und was weniger gut und kann kurzfristig handeln“, so Wyszynski.

Robin Steltmann, Full Stack Developer und Scrum Master bewertet Scrum aus der Entwickler-perspektive, für ihn ist die Kommunikation innerhalb des Teams der entschiedene Vorteil: „Das Scrumboard spiegelt die Planung visuell wider und jeder kann genau sehen, woran die anderen Teammitglieder gerade arbeiten. Bevor wir Scrum eingeführt haben, gab es Dinge, die gerne einmal nach hinten rückten, jetzt gibt es für alles einen fest definierten Zeitraum. Das Verständnis für das, was der andere gerade macht, verändert die Teamkultur zum Positiven“.

Das Scrum-Regelwerk umfasst feste Meetings am Ende der Sprints. In der Retrospektive geht es speziell um Feedback. „Dafür einen festen Termin zu haben, ist sehr hilfreich, denn im Alltag würde man sich das eher verkneifen“, weiß Robin Steltmann. Im Sprint-Review werden die Ergebnisse des vorangegangenen Sprints vorgestellt. „Das bietet den Entwicklern die Möglichkeit, sich zu präsentieren. So ein „Show-off“ spornt an, im normalen Alltag käme das zu kurz“, stellt Robin Steltmann fest. Das Team plant den Sprint gemeinsam, es werden Aufgaben definiert, die im Sprintzeitraum realisierbar sind. „Durch die kürzeren Planungszyklen und ganz viel Kommunikation kann man sich nicht so einfach vergaloppieren, außerdem kann das Kundenfeedback direkt mit aufgenommen und umgesetzt werden“, nennt Julian Wyszynski weitere Vorteile.

Scrum meets Homeoffice

Der doks.-Scrum-Prozess durchläuft momentan mit COVID19 und den daraus resultierenden Beschränkungen einen Härtetest. Über Nacht verlegten die doks.-Entwickler ihren Arbeitsplatz vom Headquarter in die Homeoffices, die Kommunikation wurde von Face-to-Face auf Webkonferenzen umgestellt. Meetings finden nun nicht mehr im Büro, sondern virtuell statt und zu den alltäglichen Aufgaben gesellen sich Babys, die mit am Schreibtisch sitzen und Kinder, die betreut werden wollen. „Durch die Flexibilität, die der Scrum-Prozess bietet, konnten wir uns sehr schnell auf die neuen Anforderungen einstellen.“, erinnert sich Julian Wyszynski. „Die Tools, die wir im Scrum-Prozess nutzen, sind ohne Weiteres im Homeoffice nutzbar.“

Die Hardware-Entwicklung in den Homeoffices umzusetzen stellte die größere Herausforderung dar. „Durch COVID19 gab es Lieferengpässe und die Hardware ist bei den einzelnen Entwicklern verteilt. Das macht es schwer, alles zu verbinden. Mit viel Kreativität und kleineren Arbeitsschritten können wir diese Problematik lösen und unsere Entwicklungsziele einhalten“, freut sich Julian Wyszynski.

So schwierig Krisen auch sind, sie bieten oft eine andere Perspektive und liefern neue Erkenntnisse. So auch bei doks. innovation: „Das gesamte Team hat das gleiche Verständnis und wir alle arbeiten konzentriert auf ein gemeinsames Ziel hin“, sagt Julian Wyszynski stolz, „wir haben gelernt, dass wir auch mal im Homeoffice arbeiten können, ohne alles auf den Kopf stellen zu müssen“. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit vollkommen ungestört zu arbeiten. „Jeder hat die Chance in der Umgebung zu arbeiten, in der er am produktivsten sein kann“, sagt Robin Steltmann, „für den Entwicklungsbetrieb kann es negativ sein, wenn die Entwickler häufigen Störungen ausgesetzt sind.

Jetzt kommunizieren wir per Chat und wenn es dringend ist, telefonieren wir. Die Schwelle jemanden anzusprechen ist höher, als wenn man im Büro nebeneinandersitzt. Das schafft eine gute Arbeitsatmosphäre, denn Störungen sind seltener und es werden nicht alle von einem Gespräch abgelenkt. Wir freuen uns natürlich darauf, wieder gemeinsam im Office zu arbeiten, aber viele von uns werden auch in Zukunft die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten öfter nutzen als vor den Corona-Beschränkungen“.