Tipps und Chancen für Startups

Gemeinsam durch die Krise: Tipps und Chancen für Startups

Während einige bereits Anfang des Jahres sorgenvoll nach China blickten, kam sie für andere unerwartet: Die Corona-Krise. Sie traf die globale Wirtschaft in einem Ausmaß, mit dem zunächst keiner gerechnet hatte. Plötzlich müssen auch etablierte Unternehmen um ihre Existenz bangen und ganz besonders betroffen sind Startups. Aus dieser Not heraus ist ein beispielloser Diskurs entstanden, der Startups unterschiedlichster Branchen und viele weitere Akteure und Institutionen verbindet. Das gemeinsame Ziel: Die Corona-Krise unbeschadet zu überstehen.

Alles ist zum Erliegen gekommen

Die Corona-Krise trifft Startups besonders hart, denn ihre Strukturen sind auf Wachstum ausgerichtet. „Startups haben in der Regel keine Rücklagen, sie entwickeln ihr Geschäftsmodell fortwährend und leben meistens von der Hand in den Mund, wenn es ums Geld geht“, weiß Johannes Berg, Geschäftsführer des Digital Hub Logistics in Hamburg. Auch Malte Fritsche, Bitkom-Startup Referent, kennt die derzeitigen Probleme der Startups: „Bei den Partnern ist alles zum Erliegen gekommen, Aufträge werden eingefroren. Bis auf wenige Ausnahmen bricht ihnen von heute auf morgen der Umsatz ein“. Die Krise sei für viele extrem existenzbedrohend, Investoren zögen sich zurück, Finanzierungsrunden kämen nicht zustande, “das wird auch erstmal so weitergehen“, prognostiziert Fritsche.

Startup-Hilfen

Schnell wurden unterschiedliche Startup-Hilfen auf den Weg gebracht. Berg und Fritsche sehen diese zum Teil kritisch: „Hilfspakete sind meiner Meinung nach nur dann hilfreich, wenn sie unbürokratisch und schnell an diejenigen Startups vergeben werden, die aufgrund ihres organischen Wachstums durch die Krise in finanzielle Engpässe gekommen sind, die sie vorher durch einen gesunden Auftrags- und Kundenstamm nicht gehabt hätten“, erklärt Berg. Andere Maßnahmen, beispielsweise Kurzarbeitergeld oder Kredite, helfen nur wenigen Startups. „Aufgrund ihrer Ausrichtung auf Wachstum müssen Startups auch in der Krise weiter machen, um am Markt bestehen und sich etablieren zu können“, begründet Fritsche, außerdem träfen herkömmliche Kreditbewertungsstandards bei Startups nicht zu, „sie sind wachstumsorientiert, machen in den ersten Jahren nur sehr selten Gewinne. Für Banken sind die daher nicht kredittauglich“. Beide sind sich einig, dass auch kleinere Unternehmen von Hilfen profitieren sollten und nicht nur VC-gestützte Startups. Auch Dr. Gerold Kreuter, Geschäftsführer der FiDT Fördergesellschaft für innovative Dienstleistungen und Techniken mbH und Vizepräsident des BVIZ Bundesverbands Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e. V., sieht das ähnlich und kritisiert: „Startups, die ganz am Anfang stehen und tolle Ideen haben, haben momentan große Schwierigkeiten an die nötige Finanzierung zu kommen“. Malte Fritsche bilanziert: „Es gibt Instrumente die helfen, diese müssen aber kurzfristig verfügbar sein. Alle Involvierten arbeiten hart an Lösungen, jetzt muss das Tempo gehalten werden“.

Startups tauschen sich aus

Neue Channels zur Ansprache potenzieller Kunden und Investoren werden erschlossen, Networking und Austausch finden digital statt. Besonders wichtig ist der Dialog zwischen Startups, aber auch zwischen Startups und Organisationen. „Der Austausch hilft um zu erfahren, wie welches Startup mit der Situation umgeht und dadurch auch neue Energie und Inspiration zu erhalten“, stellt Johannes Berg fest. Die Bitkom verzeichnet einen hohen Bedarf vonseiten der Startups: „Klassische Meetups haben wir in den digitalen Raum verlegt und bieten aktuelle Themen für Gründerinnen und Gründer. Das umfasst natürlich Best-Practice Beispiele, aber auch Informationsveranstaltungen, die sehr gut angenommen werden. Natürlich haben wir in unserer Funktion grundsätzlich Kontakt zu den Startups in verschiedenen Gremien“.

Tipps für Startups

Für den Weg aus der Krise gibt es kein Patent-Rezept, dennoch haben Berg, Fritsche und Kreuter Tipps für Startups und sehen die Krise auch als Chance. Malte Fritsche rät weiterhin den Austausch mit Gründern und Investoren zu suchen. Außerdem empfiehlt er die offene Kommunikation zu allen Stakeholdern. Dr. Gerold Kreuter betont: „Den Austausch zu suchen ist das wichtigste. Dabei geht es darum zu erfahren, wie andere mit der Krise umgehen, aber auch darum, neue Kooperationspartner zu finden oder neue Kunden anzusprechen“, die Krise und ihre Begleiterscheinungen, zum Beispiel die Arbeit aus dem Homeoffice, könnten außerdem für kreativere Ansätze sorgen. Johannes Berg sieht auch Chancen in der Krise: „Startups sollten auch in der Krise versuchen einen kühl handelnden Kopf zu bewahren und sich ihrer Stärken noch bewusster zu werden: Schnelligkeit, Innovationsgeist und Mut! Denn dann kann die Krise auch ein Katalysator sein“.

doks während der Corona-Krise

Digital Hub Logistics: Das digital Hub Logistics, mit Sitz in der Hamburger Speicherstadt, vereint Unternehmen, Startups, Forschung und Bildung an einem Ort. Als Teil des BMWI-geförderten,  deutschlandweiten Netzwerkes DE:hub Initiative mit 12 Kompetenzstandorten, verknüpfen sie gezielt Gründer und Innovatoren mit dem Logistik-Mittelstand. https://www.digitalhublogistics.hamburg/

Startup-Initivative, Bitkom: Die Startup-Initiative des Digitalverbands Bitkom setzt sich für Gründer, Geschäftsführer und Mitarbeiter von Startups ein und vertritt ihre Interessen gegenüber der Politik. Sie engagieren für bessere Rahmenbedingungen für Gründer in Deutschland und bieten Plattformen und Gremien zum Austausch. https://www.bitkom.org/Themen/Startups/index.jsp

FiDT Fördergesellschaft für innovative Dienstleistungen und Techniken mbH: Das FiDT Technologie- und Gründerzentrum unterstützt technologieorientierte, innovative Gründer, Startups und junge Unternehmen. Am Standort in Kassel bietet das Zentrum Netzwerk und Infrastruktur und Räumlichkeiten. https://www.fidt.de/